2017-11-28 05:00

«Es ist ein guter Moment zum Aufhören»

Niederglatt

An der Schlussübung befreite der zurücktretende Feuerwehrkommandant Urban Rosenberg jene vier Kollegen aus einer misslichen Lage, die ihn während seiner 20-jährigen Feuerwehrkarriere begleitet hatten.

Der abtretende Feuerwehrkommandant Urban Rosenberger (rechts) legte sich in seiner Schlussübung noch einmal richtig ins Zeug und rettete Figuranten, die verletzte Personen darstellten.

Der abtretende Feuerwehrkommandant Urban Rosenberger (rechts) legte sich in seiner Schlussübung noch einmal richtig ins Zeug und rettete Figuranten, die verletzte Personen darstellten.

(Bild: Toni Spitale)

  • Toni Spitale

Sichtlich gut gelaunt stand Urban Rosenberg am Freitag vor seiner fast vollzählig anwesenden, 58-köpfigen Mannschaft im Feuerwehrdepot. Er wisse von nichts, für einmal lasse er sich überraschen, gab der Kommandant vor Übungsbeginn kurz und knapp zu Protokoll.

Am 31. Dezember, um 23.59 Uhr, übergibt er das Kommando – dies nach sieben Jahren - seinem Nachfolger und bisherigen Vize-Kommandanten Patrick Schwitz. «Es ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich, dass jemand 20 Jahre lange Feuerwehrdienst leistet», betonte Schwitz. Aus diesem Grund wollten er und seine Offizierskollegen ihrem Chef zum Abschied etwas Besonderes bieten.

Er war mein Vorbild

Das vom Ausbildungschef Luca Mussolin ausgearbeitete Übungsprogramm trug den Namen «Urbans Weg» und beinhaltete vier verschiedene Einsätze. Der erste ereignete sich auf der Kaiserstuhlstrasse. Ein Lieferwagen blockierte die Fahrbahn in Richtung Neeracherried-Kreisel und Rosenberg rückte in Soldaten-Kleidung vor, um den angeblich bewusstlosen Fahrer zu bergen.

Fachmännisch packte er den Verunfallten am Kragen und schleifte ihn auf den benachbarten Radstreifen in Sicherheit. Sein Gesichtsausdruck erhellte sich sofort, als er bemerkte, dass es sich beim Figuranten um den ehemaligen Kommandanten Hanspeter Giuliani handelte. «Er hatte mich 1997 in die Feuerwehr eingeführt, damals noch im alten Depot. Und er war immer ein Vorbild für mich», freute sich Rosenberg.

Schnaps war sein erstes Wort

Kaum stand Giuliani aus eigenen Kräften wieder auf den Beinen, ereilte den Kommandanten bereits der nächste Auftrag. Eine Person hatte sich auf einem Baum verletzt und musste gerettet werden. Dieses Mal rückte Rosenberg als Unteroffizier vor. Behutsam führte er die vor Schmerzen schreiende Person über die Steckleiter auf den festen Untergrund zurück. Dort angekommen gab es zuerst eine freundschaftliche Umarmung und dann verlangte der Gerettete – es war der ehemalige Kommandant Peter Vögele – nach einem Schnaps. Er sei jener Vorgesetzte gewesen, der am meisten für die örtliche Feuerwehr getan habe, erinnerte sich Rosenberg.

Anschliessend ging es unverzüglich weiter zum Hof von Patrick und Hugo Wolf, wo im Viehstall ein Unbekannter lag. Zwischen neugierigen und unruhigen Kühen hatte sich Mauro Mussolin in Pose gelegt. Nun im Rang eines Leutnants, organisierte Rosenberg den Abtransport dieses dritten Kommandanten in seiner Feuerwehrlaufbahn. Letzterer, so wusste der Chargierte zu berichten, habe die jeweils originellsten Übungen organisiert. Der vierte und jüngste Kommandant, Theo Schwarz, spielte keine Opferrolle, sondern überraschte den Kommandanten als aufsässigen Radio-Reporter. Rosenberg würdigte ihn als jene Führungskraft, welche am meisten Feuerwehrfahrzeuge in Betrieb nehmen konnte.

Weiter fürs Dorf engagieren

«Ich bin überwältigt von der Wertschätzung, die ich von meinen ehemaligen Kommandanten erfahren durfte», zeigte sich Rosenberg am Schluss der Übung erfreut. Die Feuerwehr werde ein grosses Loch in seinem Leben hinterlassen, insbesondere die Kameradschaft werde er bestimmt vermissen. Nichtsdestotrotz sei es der richtige Moment um aufzuhören: «Ich habe einen guten Nachfolger, der frischen Wind und neue Ideen einbringen wird.» Zuerst werde er sich ein bisschen zurücklehnen. Danach wolle er sich wieder für das Dorfleben und die Öffentlichkeit engagieren. Konkrete Pläne habe er diesbezüglich aber noch keine.

Als einer der sehr kooperativ und offen für Neues war und es «gut mit den Leuten konnte», verabschiedete die Sicherheitsvorsteherin Rita Ammann den Kommandanten. Nicht zuletzt hob sie auch sein langjähriges Engagement für den Nachwuchs hervor. Viele, die einst als 14-Jährige der Jugendfeuerwehr unter der Leitung von Urban Rosenberg beigetreten waren, sind heute im Kader der Ortsfeuerwehr.

Zürcher Unterländer